Zum Inhalt springen
Startseite » Freizeit » Fun » Wein selbst herstellen: So einfach geht´s!

Wein selbst herstellen: So einfach geht´s!

Weinflasche mit Korken
5/5 - (5 votes)

Es ist leichter als gedacht wein selbst herzustellen und legal ist es auch. Besonders empfehlenswert ist es, wenn Du viel Obst im Garten hast, bei dessen Menge Du nicht weiĂźt, was Du damit anfangen kannst.

Du benötigt lediglich ein paar Kleinigkeiten, von denen ein Großteil in nahezu jedem Haushalt zu finden ist. Alles, was Du außerdem noch benötigst, ist auch nicht schwer zu finden. Was das alles ist verraten wir Dir hier in diesem Ratgeber.

Des Weiteren findest Du hier eine einfache aber genaue Anleitung wie Du Deinen eigenen Wein machen kannst. Das geht ohne jegliche Vorkenntnisse und nach Belieben auch nur mit ganz wenigen Zutaten.

Das Wichtigste in KĂĽrze

  • Je nach Vorgehensweise ist nicht jedes einzelne Zubehör notwendig.
  • Bei der Wahl der Zutaten hast Du viele verschiedene Möglichkeiten.
  • Stelle sicher, dass Du alles hast, was Du brauchst.
  • Du benötigst einen Ort, an dem der Wein in Ruhe gären kann.
  • Habe ausreichend Flaschen und VerschlĂĽsse fĂĽr das AbfĂĽllen parat.

Was Du wissen solltest, wenn Du Wein selbst herstellen möchtest

Beim Herstellen von Wein lohnt es sich jeden Schritt und jede Zutaten Menge aufzuschreiben, sodass Du am Ende weist, was Du mein nächsten Mal anders machen kannst, sollte es beim ersten Versuch noch nicht perfekt werden.

Für den ersten Versuch legen wir Dir folgende Mengenverhältnisse nahe:

ObstZuckerHefeWasser
FĂĽr 10 kg Obst3,5 kg Zucker14 Gramm Hefe3,5 Liter Wasser
Pro 1 kg Obst350 Gramm Zucker1,4 Gramm Hefe350 Milliliter Wasser

Diese Werte können auch beliebig hoch- und runtergerechnet werden.

Die Wahl der Zutaten

Je nach Obstsorte ist es ratsam verschiedene Zusätze für den Gärprozess in Betracht zu ziehen. Wobei sich die Notwendigkeit der Zusätze nicht nach der Obstsorte generell, sondern schon von Baum zu Baum beurteilen lässt. So können Früchte von bestimmten Bäumen oder Sträuchern süßer oder saurer sein.

Trauben oder anderes Obst?

Am häufigsten werden Trauben oder Äpfel zu Wein verarbeitet, aber es gibt weitaus mehr Obst aus welchem Wein hergestellt werden kann. Dir sind dabei so gut wie keine Grenzen gesetzt.

Bei egal welchem Obst ist es wichtig die unreifen und fauligen FrĂĽchte auszusortieren, da diese den Geschmack stark beeinflussen.

Zucker

In Form von Fruchtzucker ist dieser schon im Obst selbst enthalten und ist ausschlaggebend für den Gärprozess. Außerdem wird der Wein umso süßer, umso mehr Zucker enthalten ist.

Hefe

Die Hefe-Bakterien lassen den Gärprozess schneller starten. Hierbei solltest Du frische Hefe verwenden und nach Möglichkeit auf Trockenhefe verzichten.
Achtung! Backpulver ist zwar auch aus Hefe, aber nicht fĂĽr die Weinherstellung geeignet.

Säure

Für Obstsorten die von Natur aus nicht viel Säure enthalten solltest Du es in Betracht ziehen diese zu ergänzen, da auch die Säure an der Geschmacksbildung beteiligt ist. Als extremes Mittel kann Zitronensäure verwendet werden eine mildere Alternative hierzu ist Milchsäure.

Schwefelpulver

Gibt es unter anderem als Kaliumdisulfit und dient dazu die Haltbarkeit des Weines zu erhöhen, indem eine Oxidation verhindert wird. Ebenso kann dadurch eine bräunliche Verfärbung verhindert werden.

Kaliumpyrosulfit

Dient dazu den Wein haltbarer zu machen, indem es vor Bakterien schützt und die letzten Hefe-Bakterien abtötet. Das verhindert zusätzlich, dass sich Druck in der Flasche bilden kann.

Es geht auch ohne gewisse Zutaten! Aber wie?

Wie schon erwähnt sind Zucker und Säure Bestandteil von Obst und besonders Säure ist in der Regel ausreichend enthalten. Aber was passiert ohne diese Zusätze?

Ohne Hefe

Wird der Gärprozess viel später starten und langsamer vorangehen, es ist daher nicht empfehlenswert ohne Hefe zu arbeiten.

Ohne Zucker

Ungefähr die Hälfte des Zuckers wird in Alkohol umgewandelt, somit verliert der Wein durch den fehlenden Zuckerzusatz an Alkoholgehalt. Ebenso kann der Wein dadurch Sauer werden.

Ohne Säure

Sofern eine Obstsorte verwendet wird, die wenig Säure enthält, kann hier der Geschmack viel süßer ausfallen.

Hinweis! Solltest Du auf Zutaten verzichten möchten, ziehe es doch in Betracht das Schwefelpulver und das Kaliumpyrosulfit wegzulassen, da diese so ziemlich nur die Haltbarkeit beeinflussen.

Das richtige Zubehör

Durch das richtige Zubehör wird nicht nur die Weinherstellung erleichtert, das Ergebnis kann je nach Zubehör deutlich besser ausfallen.

Welches Gärgefäß passt?

Sofern man eine Wahl hat, sollte ein Gefäß aus Glas immer bevorzugt werden, da dieses im Vergleich zu Kunststoff geschmacksneutral ist und bleibt. Ebenso ist die Größe ein wichtiges Kriterium, da das Volumen der Maische während des Gärprozesses um fast das doppelte ansteigen kann.

Einen Gäraufsatz passend zum Gefäß

Ein Gäraufsatz ist wichtig damit Gase die beim Gärprozess entstehen aus dem Gefäß entweichen können, ohne das Luft in das Gefäß hineingelangt. Am besten eignet sich hierfür ein Korken mit einem Gärröhrchen.

Eine Wage ist empfehlenswert

Durch das Abwiegen der Zutaten weißt Du genau welche Mengen Du zu Wein verarbeitest und kannst so leichter Veränderungen bei der nächsten Weinherstellung vornehmen.
Kleine Veränderungen der Mengen können für große Änderungen im Geschmack sorgen!

Für die Saftgärung ist eine Saftpresse oder ein Entsafter von Vorteil

Für die Saftgärung ist nur der Saft relevant und nicht das Fruchtfleisch, um dieses voneinander zu trennen ist eine Saftpresse oder ein Entsafter von Vorteil.

AbfĂĽllen durch einen Zapfhahn

Ein integrierter Zapfhahn ist besonders bei einer Maischegärung von Vorteil, da sich die Obstreste am Ende des Gärprozesses oben in der Maische sammeln und Du es umgehen kannst diese Aufzuwirbeln.

Alternatives AbfĂĽllen durch einen Schlauch

Hierbei wird ein Ende des Schlauches in die Maische gegeben und das andere Ende, nach dem Ansaugen, in die Flasche. Ein Trichter ist hierbei von Vorteil, solltest Du den Wein noch zusätzlich filtern sollen.

Flaschen mit Verschluss/Korken

Da der Wein nicht für immer im Gärbehälter gelagert werden sollte, benötigst Du für die Abfüllung einige Flaschen, in die Du den Wein abfüllen kannst. Sei Dir im Vorfeld klar wie viele Flaschen Du ungefähr benötigst.

Tipp! Je nach Menge und Obstsorte kannst Du auch mal ausprobieren das Obst mit einem PĂĽrierstab zu pĂĽrieren und das Ergebnis zu Wein zu verarbeiten.

Wein selbst herstellen: Schritt-fĂĽr-Schritt-Anleitung

Nachdem Du Dich fĂĽr eine Obstsorte entschieden und nur die guten FrĂĽchte aussortiert und gewaschen hast, stellt sich nun die erste Frage:

Saft- oder Maischegärung?

Folgende zwei Vorgehensweisen stehen Dir zu Auswahl:

Saftgärung:

Bei der Saftgärung werden die Früchte gepresst und nur der Saft für den Gärprozess verwendet.

Maischegärung:

Bei einer Maischegärung werden die Früchte zwar zerquetscht oder zerkleinert, es wird aber alles für den Gärprozess verwendet. Das bietet den Vorteil, dass ein intensiverer Geschmack.

Du solltest Deinen Saft oder Deine Maische jetzt in Dein Gärgefäß füllen.
Achte darauf, dass noch genug Platz in dem Gefäß ist, da sich die Flüssigkeit ausdehnen kann!

Die Zugabe von Zucker

Da Du jetzt weißt, welche Art der Gärung für Dich infrage kommt und Du das Obst schon so weit verarbeitet und umgefüllt hast, kommt es nun zur Zugabe von Zucker. Die Menge hängt von der Art des Obstes ab. Zusätzlich besteht die Möglichkeit den Zucker im Zusammenhang mit Wasser hinzuzugeben, was bei geringeren Fruchtmengen, die Menge des Weins am Ende erhöht. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten:

Die gesamte Zuckermenge hinzufĂĽgen

Hierbei wird vor dem Gärprozess bereits die gesamte Menge an Zucker hinzugefügt. Das ist vor allem für die ersten Versuche ratsam, da Du hierbei einen besseren Überblick behalten kannst.

Den Zucker Portionsweise hinzufĂĽgen

An sich bleibt die Zuckermenge die gleiche, nur wird diese in 4 gleich große Portionen aufgeteilt und in verlauf von vier Tagen, täglich hinzugefügt. Dies sorgt dafür das die Hefe effizienter arbeitet und ist den Aufwand wert, da das Zusammenspiel von Hefe und Zucker für die Entstehung von Alkohol verantwortlich ist.

Zugabe von Säure

Für den Fall, dass die Früchte nicht genug Säure enthalten solltest Du nach der Zugabe von Zucker Zitronensäure oder Milchsäure hinzufügen.
In der Regel haben die meisten Obstsorten einen ausreichenden Säuregehalt.
(Ebenso kann in diesem Schritt das Schwefelpulver hinzugefĂĽgt werden)

Zucker und Zitronensäure

Den Zucker kannst Du einfach so hinzufügen und für die Säure einfach eine Zitrone auspressen.

Zugabe der Hefe

Nach diesem Schritt wird der Gärprozess in Gang gesetzt. Dieser beginnt zwar erst in 2-3 Tagen, stelle aber trotzdem schon sicher, dass Du alle nötigen Zutaten zu Deinem Saft/Maische hinzugefügt hast. Am besten ist Trockenhefe oder Weinhefe geeignet.

Hefe arbeitet am besten bei einer normalen Raumtemperatur und bei einer zu kalten Umgebung arbeitet Hefe kaum oder gar nicht. Achte also darauf das der Raum, in dem der Gärprozess stattfindet, nicht zu kalt ist.

Reifeprozess

Sobald Du die Hefe in Deinen Saft eingerührt hast, kann der Reifeprozess starten. Hierfür musst Du das Gefäß mit einem Gäraufsatz verschließen, der dafür sorgt das keine Lust in das Gefäß eindringt und zugleich die entstehenden Gase aus dem Erzeugnis herauslässt.

Erkennbar ist der Reifeprozess an dem Blubbern des Gärröhrchens und dauert so lange bis Du es nicht mehr blubbern hörst. In der Regel beträgt die Reifezeit ~ 4 Wochen, je nach Raumtemperatur kann es allerdings auch länger dauern.

Klären des Weines

Rein theoretisch ist der Wein zwar jetzt schon trinkbar, dennoch solltest Du weitere 2-3 Wochen warten. Dadurch setzten sich die Schwebstoffe am Boden ab, und Du erhältst einen klaren sauberen Wein.

Bei einer Maischegärung kann sich das Fruchtfleisch oben absetzten, dabei ist es dann die Kunst nur den sauberen Wein aus der Mitte herauszubekommen.

Das AbfĂĽllen

Sollte sich ein Zapfhahn an Deinem Gärgefäß, optimalerweise ein bis zwei Zentimeter über dem Boden, befinden ist das Abfüllen ganz einfach. Sobald Du den Hahn öffnest bleiben die Schwebstoffe am Boden und Du erhältst nur den klaren Wein.

Sollte sich kein Zapfhahn an Deinem Gefäß befinden benötigst Du einen Schlauch, durch den der Wein abgesaugt werden kann.

Bei beiden Varianten kann der Wein zusätzlich noch durch ein Tuch gefiltert werden, hierdurch können noch restliche Schwebstoffe abgefangen werden.

Solltest Du Deinen Wein noch haltbarer machen wollen, kannst Du diesen zuerst in einen Topf fĂĽllen und pro 10 Liter Wein, 1g Kaliumpyrosulfit HinzufĂĽgen. Direkt im Anschluss kannst Du Deinen Wein dann in die Flaschen abfĂĽllen.

Verschiedene Weinflaschen

So Könnte Dein Weißwein am Ende aussehen.

Zu guter Letzt musst Du die Flaschen nur noch Verkorken und nach Belieben Etikettieren, so einfach kannst Du Deinen eigenen Wein herstellen.

Trivial: Was Du sonst noch ĂĽber die Weinherstellung wissen solltest

Hier bekommst Du noch ein paar zusätzliche Tipps oder Antworten auf Fragen, die sich Dir stellen könnten.

Warum schmeckt mein Wein nicht?

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, sei deshalb nicht enttäuscht, wenn der erste versuch, nicht so schmeckt wie Du es gerne hättest. Schon die kleinste Änderung bei den Zutaten kann einen großen Unterschied bei dem Geschmack am Ende ausmachen.

Wie gestalte ich meinen ersten Versuch am besten?

Starte am besten mit einer Ăśberschaubaren Menge und nicht gleich mit 30 Litern.
Der Zucker lässt sich leicht in warmen Wasser auflösen und erhöht durch das zusätzliche Wasser am Ende den Ertrag.

Sind diese ganzen Zutaten wirklich notwendig?

Obst, Zucker, Hefe und Wasser reichen als Zutaten völlig aus.

Hält mein Korken die Flasche auch dicht?

Hier ist es empfehlenswert im Vorhinein mal eine Flasche mit Wasser zu füllen und zu Verkorken, dann kannst Du testen, ob der Verschluss hält, was er verspricht.

Fazit

Die Herstellung von Wein ist ein schönes Hobby, welches nicht so viel Zeit in Anspruch nimmt und gerade wenn Du viel Obst im Garten hast, eine schöne Sache ist.
Denke immer daran das die Ausbildung zum Winzer mehrere Jahre andauert und ein solcher die perfekte AusrĂĽstung zum Herstellen von Wein hat.
Du wirst aber ĂĽberrascht sein wie nah Du mit Deinem Wein an dem Wein eines Winzers herankommst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

↑ Zurück zum Beginn ↑