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Wanderschuhe schnüren: 6 effektive Schnürtechniken

Person schnürt einen Wanderschuh

Es ist etwas Alltägliches: Die meisten von uns beherrschen das Schuhbinden seit der Grundschule und denken seitdem auch nicht mehr viel über ihre Schnürsenkel nach.

Wenn es darum geht, Deine Wanderschuhe zu schnüren und zu knoten, sieht das etwas anders aus. Denn falls Deine Wanderschuhe beim Laufen unangenehm an Deinen Füßen drücken, können ein paar neue Schnürtricks sehr hilfreich sein, um den Komfort zu erhöhen.

Im folgenden Artikel haben wir für Dich die wichtigsten Schnürtechniken zusammengestellt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Falsch geschnürte Wanderschuhe können zu Blasen und Fußschmerzen führen.
  • Diverse Schnürtechniken können dabei helfen Druckpunkte im Schuh zu verlagern sowie zu entlasten.
  • Die Schnürtechnik hat Einfluss auf Dein Wohlbefinden beim Wandern.
  • Es gibt verschiedene Probleme, die eine verbesserte Schnürtechnik nötig machen.

Was ist eine Wanderschuhschnürtechnik?

Die richtigen Schuhe zu kaufen ist die Grundvoraussetzung, um ein bequemes gehen zu haben. Aber Du kannst das noch verbessern, indem Du die richtige Schnürtechnik verwendest.

In den Bergen ist es wichtig, dass Du Deine Schuhe für Deinen Komfort und Deine Sicherheit richtig einstellst und schnürst. In der Tat reicht es nicht aus, nur die richtigen Schuhe zu haben. Du musst auch überprüfen, ob sie richtig sitzen und vor allem geschnürt sind, damit Du während der gesamten Wanderung sowie bergauf als auch bergab gut unterstützt werden kannst. Dies ist der wichtigste Punkt bevor Du Deine Wanderung startest.

Denn je nach Schnürung verlagerst Du die Druckpunkte an Deinem Wanderschuh. Diese solltest Du je nach Passform sowie Situation anpassen.

Hintergründe: Was Du über Wanderschuh schnüren wissen solltest

Zunächst beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um das Schnüren von Wanderschuhen bevor wir auf die individuellen Schnürtechniken eingehen.

Wie fest solltest Du Deinen Wanderschuh schnüren?

Zunächst einmal ist zu sagen, dass der Aberglauben von immer straffen und engen Wanderschuhen falsch ist. Denn wenn sie zu straffgezogen sind, schnürt es einem das Blut ab und führt zu Schmerzen. Je nachdem ob Du Bergauf oder Bergab gehst, sollte der Schuh unterschiedlich sitzen.

Beim bergauf gehen braucht Dein Fuß mehr Bewegungsspielraum, insbesondere am Schaft. Dennoch bedenke genug Halt am Spann beizubehalten. Beim Bergab gehen hingegen ziehe es wieder fester, damit Deine Füße nicht rutschen.

Allerdings kann dies von Person zu Person unterschiedlich sein. Höre immer auf Dein Gefühl und Deinen Körper und passe Deinen Schuh dementsprechend an.

Personen wandern im Gebirge mit Ausrüstung

Neben der richtigen Passform Deines Wanderschuhs, ist es auch wichtig, dass Du diesen richtig schnürst. Nur so hast Du optimalen Komfort und Stabilität beim Wandern.

Was musst Du beim Wanderschuhschnüren beachten?

Bevor Du Dir um die tatsächliche Schnürung Gedanken machst, ist zu erwähnen, dass die Zunge des Schuhs zentriert sein muss. Die zur Seite rutschende Zunge eines Schuhs kann unangenehme Druckstellen verursachen, insbesondere, wenn dadurch eine Falte entsteht. Der Zug der Schnürsenkel kann sich nicht gleichmäßig ausbreiten.

Stelle deshalb sicher, dass sich die Zunge in der Mitte befindet und überprüfe ab und zu während der Wanderung, ob dies auch noch der Fall ist. Einige Wanderschuhe haben auch einen Haken, der die Zunge in der Mitte fixiert.

Einen weiteren Punkt, den Du im Hinterkopf behalten solltest, ist, dass Du von Zeit zu Zeit Deinen Wanderschuh nach schnüren solltest. Etwa 15 Minuten nach Beginn Deiner Wanderung solltest Du Deine Wanderschuhe wieder schnüren, da sich Dein Fuß durch die Aktivität und Temperatur ändert und meist breiter wird. Bei längeren Wanderungen ist es zudem sinnvoll, die Schuhe von Zeit zu Zeit erneut komplett zu binden.

Wie viel Raum solltest Du im Wanderschuh nach vorne haben?

Dein Fuß sollte definitiv nicht das Ende der Zehenbox berühren. Tatsächlich sollten viele gut sitzende Wanderschuhe einen großzügigen Abstand zwischen dem Ende der Zehenbox und der Zehenspitze haben. Du solltest immer in der Lage sein, Deine Zehen bequem im Schuh zusammenzurollen, ohne zu viele Einschränkungen dabei zu haben.

Bei korrekter Passform sollte Deine Ferse im Schuh fest fixiert sein, um Reibung und die dadurch entstehenden Blasen zu vermeiden. Deine Zehen sollten beim Bergab gehen nicht gegen die Vorderseite des Wanderschuhs stoßen. Und es sollte minimal zusätzlichen Platz um Ihren Fuß geben.

Grundsätzlich wird gesagt, es sollte mindestens ein Zentimeter Luft vorne im Schuh sein für den optimalen Komfort beim Wandern.

Achtung: Kaufe Dir niemals zu kleine Wanderschuhe. Zu enge Schuhe ist die häufigste Ursache für geschwärzte Zehennägel.

Wie schnüre ich einen Wanderschuh richtig: 6 Schnürtechniken für Dich

Drückende Schuhe beim Wandern können sehr unangenehm werden und verdirbt einem schnell den Spaß in der Natur.

Du musst sicherstellen, dass Dein Fuß sicher im Schuh befestigt ist, damit er nicht verrutscht und Blasen verursacht. Achte außerdem sorgfältig auf die Abmessungen Deines Fußes und auf Stellen, die zum Anschwellen neigen. Wenn Du daran denkst, Deine Schuhe auf diese Weise zu binden, kann dies überwältigend wirken.

Im Folgenden erfährst Du einige der wichtigsten Schnürtechniken, die je nach Problem Dir weiterhelfen können. Damit kannst Du Deine Schuhe besser an Deinen Fuß anpassen, sowie Blasen und unangenehmes Drücken vermeiden.

Zunächst hast Du in einer Tabelle einen kurzen Überblick über die vorgestellten Schnürtechniken und bei welchen Problemen diese helfen:

Welches Problem hast Du am Wanderschuh?Welche Schnürtechnik bietet sich am besten als Lösung an?
Ferse rutscht nach obenFlaschenzugtechnik
Chirurgen-Knoten
Weite des Wanderschuhs zu eng/lockerErweiterte Flaschenzugtechnik
Zu viel Druck auf dem Vorderfuß bzw. FußrückenErweiterte Flaschenzugtechnik
Zu hoher SpannParallelschnürung
Fuß rutscht im Wanderschuh,
Spannung am Schaft und Fußrücken ist nicht ausgeglichen
Zweizonenschnürung
Fußzehen schmerzenZehenentlastungsschnürung

Flaschenzugtechnik

Du kennst es bestimmt auch von Schuhen, dass beim Laufen Deine Ferse nach oben rutscht. Dies kann unter anderem zu unangenehmen Blasen führen. Mit dieser Schnürtechnik kannst Du dies verhindern.

Anstatt normal wie bei jeder Schnürung zu kreuzen, lässt Du eine Kreuzung aus und gehst stattdessen einfach gerade weiter. Dies solltest Du bei der letzten Kreuzung vor dem Tiefzughaken machen. Das heißt, mit dieser Schnürtechnik fädelst Du die Schnürsenkel direkt von der letzten Öse in die beiden Tiefzughaken ein. Überquere nicht die Schnürsenkel.

Führe als Nächstes das andere Ende durch die Spitze, die die Öse mit dem Tiefzughaken verbindet. Wenn Du jetzt an den Schnürsenkeln ziehst, wird Dein Fuß tiefer in den Schuh gezogen. Danach kannst Du Deinen Schuh normal weiter binden.

Durch diese Technik baust Du mehr Spannung auf die Tiefzughaken auf und die Ferse bleibt fest im Wanderschuh sitzen. Die Ferse hat mehr Stabilität und es gibt weniger Reibung.

Zur Erklärung: Tiefzughaken sind die Ösen am Übergang vom Spann zum Schaft, die etwas weiter außen liegen als die übrigen Ösen.

Erweiterte Flaschenzugtechnik

Wenn Du bereits Druckstellen am Fuß hast oder feststellst, dass Deine Schuhe seitlich auf den Fußrücken oder den Vorderfuß drücken, kann der folgende Trick helfen: Du kannst die Flaschenzugtechnik einfach erweitern, indem Du eine Kreuzung schon vorher auslässt.

Lasse dafür an der entsprechenden Stelle einfach eine Kreuzung weg und fädel den Schnürsenkel direkt ein ohne die Seiten zu wechseln. Damit kannst Du die Weite für den Vorderfuß besser anpassen und es gibt Deinem Fuß etwas mehr Platz in diesem Bereich.

Also bei wenig Spannung hat Dein Vorderfuß viel Platz, während bei viel Spannung der Wanderschuh sehr eng sitzt. Der Druckpunkt wird in diesem speziellen Bereich entlastet.

Parallelschnürung

Diese Technik ist zu verwenden bei Wanderschuhen mit einem zu hohen Spann. Denn dort entsteht beim Laufen viel Druck, welcher unangenehm beim Wandern werden kann. Mit dieser Schnürtechnik schaffst Du Raum für Deinen Spann, kannst den Druck besser einstellen und reduzierst mögliche Druckpunkte auf Deinen Fuß.

Du kreuzt einfach die Schnürsenkel nicht wie normalerweise, sondern schnürst sie wie der Name schon sagt parallel asymmetrisch. Der eine Schnürsenkel kreuzt direkt in die Dritte Öse, während der andere parallel zum Start durch die zweiten Ösen verläuft. Danach wechseln die Schnürsenkel dieses Muster bis der gesamte Wanderschuh geschnürt ist.

Zweizonenschnürung

Wenn Du Deine Wanderschuhe normal bindest, kann es vorkommen, dass sie oben sehr eng sind, während sie unten nicht genügend Unterstützung haben oder umgekehrt. Die Zweizonenschnürung hilft Dir, unabhängig voneinander in beiden Bereichen die richtige Spannung zu erzeugen. Hier geht es um den oberen Schaftbereich um dort die Spannung anpassen zu können. Dabei gilt locker bergauf und fester bergab.

Bergauf wird empfohlen, den Spannbereich etwas enger zu binden. Dies gibt Dir mehr Stabilität. An der Oberseite des Schafts gibt Dir eine lose Schnürung mehr Bewegungsfreiheit. Abwärts ist es gut, den Wellenbereich von der Kurve nach oben hin enger zu binden. Dies hilft, Deinen Fuß zu fixieren und verhindert, dass er nach vorne rutscht. Ziel ist es dabei die Spannung im Spannbereich zu beeinflussen. Denn nur so bleibt der Vorderfuß am Platz.

Und so geht’s: Für die Zweizonenschnürung ist ein Tiefzughacken erforderlich, den die meisten Wanderschuhe haben. Fädel die Schnürsenkel in den Tiefzughaken auf beiden Seiten jeweils von oben nach unten ein. Dann kannst Du normal weiter schnüren. Mit dieser Technik hast Du zwei Reibungspunkte um den Tiefzughaken erzeugt. Dies schafft zwei Zonen und die Spannung wird sowohl im Schaft als auch im Klemmbereich perfekt aufrechterhalten.

Im folgenden Video kannst Du Dir auch noch einmal die Parallelschnürung als auch die Zweizonenschnürung genauer ansehen.

Der Chirurgen Knoten

Eine weitere Schnürtechnik die hilft, wenn Deine Ferse beim Wandern übermäßig rutscht, ist der sogenannte Chirurgen-Knoten. Damit wird das Innenvolumen oben am Fuß reduziert. Zieh Deinen Stiefel fest und halte ihn mit zwei Knoten des Chirurgen fest:

Suche die beiden Paar Schnürhaken, die dem Punkt am nächsten liegen, an dem sich die Oberseite Deines Fußes nach vorne zu beugen beginnt. Du bindest an jedem dieser Paare den Knoten eines Chirurgen.

Dazu wickelst Du die Schnürsenkel zweimal umeinander und ziehst diese dann fest. Stelle sicher, dass die Spitze direkt bis zum nächsten Haken läuft, um die Spannung des Knotens zu fixieren.
Wiederhole dies am nächsthöheren Paar von Schnürhaken noch einmal. Einmal gesichert, halten diese fest, wo sie platziert sind, und arbeiten sich nicht wieder locker. Den Rest Deines Wanderschuhs kannst Du anschließend wie gewohnt zu Ende schnüren.

Die zusätzliche Schlaufe erzeugt mehr Reibung und mehr Reibung hält mehr Spannung. Dies ist eine sehr sichere und zuverlässige Option, wenn Du die Spannung unterhalb des Knotens blockieren möchtest. Der Knoten des Chirurgen kann auch während des gesamten Bindevorgangs verwendet werden, nachdem jeder Haken umschlungen wurde. Achte jedoch darauf, dass zwischen den einzelnen Knoten ausreichend Platz ist, um eine Unterbrechung der Zirkulation zu vermeiden.

Zehenentlastungsschnürung

Wenn Deine Zehen beim Wandern des Öfteren Schmerzen, solltest Du diese Schnürtechnik einmal ausprobieren. Dieser Trick entlastet die sogenannte Zehenbox, in der sich Dein vorderer Fuß befindet.

Dazu musst Du mit der Schnürung ganz von vorne beginnen. Zunächst löse die gesamten Schnürsenkel aus ihren Ösen. Nun kannst Du sie wieder einfädeln. Allerdings lasse dieses Mal den ersten Satz der Schnürhaken aus, um mehr Raum für Deine Zehen im Wanderschuh zu schaffen.

Dies löst erheblichen Druck von Deinen Zehen und wird für ein angenehmeres Wandern sorgen.

Trivia: Was Du sonst noch über Wanderschuh schnüren wissen solltest

Neben den Schnürtechniken erfährst Du nun noch einige Fakten rund um das Schnüren von Wanderschuhen.

Warum sich immer Deine Schnürsenkel lockern

Wenn Du feststellst, dass sich Deine Schnürsenkel jedes Mal lösen beim Wandern, bist Du nicht allein. Die Mehrheit der Menschen wird gelehrt, ihre Schnürsenkel falsch zu binden.

Der Fehler, den wir machen, besteht darin, den ersten Knoten mit der linken Spitze über der rechten zu binden und dasselbe für den Bogen zu tun, die linke Spitze über der rechten. Dies sorgt für einen schwachen Knoten.

Um sicherzustellen, dass Deine Schnürsenkel mit einem starken Knoten fest bleiben, musst Du den Bogen in der entgegengesetzten Weise ausführen, wie Du den Knoten gebunden hast. Wenn Du also die linke Spitze über die rechte kreuzt, um den Knoten zu knüpfen, wirst Du den Bogen mit der rechten Spitze über die linke kreuzen. Oder umgekehrt.

Warum sind Schnürsenkel von Wanderschuhen oft rot?

Als die Wanderschuhindustrie wuchs und somit die Wanderkultur ebenfalls, wurden rote Schnürsenkel Teil der Ausrüstung für Wanderer.

Vielleicht waren rote Schnürsenkel kein Statussymbol, sondern ein Signal dafür, dass Ihre Wanderstiefel nicht nur zum Gehen oder Arbeiten gemacht waren, sondern dass Sie ein Wanderer waren.

Wanderschuh in Nahaufnahme mit roten Schnürsenkeln

Der Tiefzughaken an Deinem Wanderschuh gibt Dir Hilfestellung bei vielen Schnürtechniken und verhilft Dir zu einem besseren Tragegefühl beim Wandern.

Warum haben Wanderschuhe Haken?

Die sogenannten Tiefzughacken bieten zusätzliche Stabilität für Deine Füße, insbesondere schmale Füße. Sie eignen sich auch hervorragend, wenn Du einen festen und sicheren Sitz um Deinen Fuß gerne hättest und dennoch vermeiden möchtest, die gesamte Durchblutung Deiner Füße zu unterbrechen, indem Du eine Fersenverriegelung mit den oberen Haken durchführst.

Es gibt normalerweise zwei Tiefzughaken auf jeder Seite eines Wanderstiefels auf der Höhe des Knöchels.

Fazit

Schlussendlich gibt es bei Wanderschuhen einiges zu beachten. Denn nicht nur die richtige Passform ist ausschlaggebend, sondern auch die Art und Weise, wie Du Deine Wanderschuhe schnürst. Doch wenn Du alle Tipps beachtest, sollte Deinem nächsten Abenteuer nichts im Wege stehen.

Bedenke jedoch, dass Du es mit den Schnürtechniken nicht allzu genau nehmen musst. Viel wichtiger ist es auf Dein eigenen Empfinden zu hören. Auch wenn alle Ratgeber sagen, dass die Schuhe in einer bestimmten Situation besonders festgezogen werden müssen, es für Dich allerdings total unangenehm ist, lass es sein. Dein Körper beziehungsweise Deine Füße werden Dir mitteilen wie und an welcher Stelle Verbesserungen vorzunehmen sind.

Wissenswert: Die meisten Wanderschuhe werden mit langen Schnürsenkeln geliefert, um unterschiedliche Schnürtechniken zu ermöglichen. Daher solltest Du in der Lage sein, einen dieser Schnürtricks mit Deinen aktuellen Schnürsenkeln auszuführen.

Wenn Deine Schnürsenkel allerdings abgenutzt sind, solltest Du sie durch solche ersetzen, die sowohl der Form (rund, oval oder flach) als auch der Länge Deines Wanderschuhs entsprechen.

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