Mechanische Tastatur selber bauen: So geht’s richtig!

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Eine mechanische Tastatur selber bauen ist für viele das Nonplusultra. Der regelrechte Hype um besondere Teile und bis ins Kleinste angepasste end-game Tastaturen (ja diese Bezeichnung existiert wirklich) ist für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar, aber wenn Du Dich einmal in die Welt der “Custom mechs” begibst, verlässt Du sie nicht mehr so schnell.

Kein Wunder, dass Dir bei einem solch heiklen und scheinbar endlosen Thema schnell der Kopf raucht und Du keinen Schimmer hast, wo Du überhaupt anfangen sollst. Für all das bist Du hier genau richtig. Wir haben das Wichtigste aus der Community zusammengetragen und stellen es Dir hier vor. Auch Du wirst Deine eigene mechanische Tastatur bauen können.

Wenn Du Erfahrung auf dem Gebiet hast, oder einfach nur ein bestimmtes Thema nachlesen willst, dann spring ruhig ein bisschen herum und ließ die Abschnitte, die Du benötigst.

Du suchst nach fertigen mechanischen Tastaturen und fragst Dich wie zum Teufel Du hier gelandet bist? Keine Sorge hier entlang: Gaming Tastatur Test.

TL;DR

  • Eine mechanische Tastatur selber zu bauen ist eine aufregende Reise und lohnt sich für jeden, der eine solche Tastatur viel nutzt
  • Viele Möglichkeiten zur Individualisierung bieten nahezu unendliche Modelle und Ausführungen einer eigenen Tastatur
  • Es gibt einiges zu beachten und einen großen Berg an Fragen, den man im Vorfeld durcharbeiten muss, aber das ist Teil dieser Reise und gehört dazu. Unser Ratgeber hilft Dir dabei.

Was ist eigentlich eine mechanische Tastatur?

Mechanische Tastaturen funktionieren, wie der Name sagt, mit mechanischen Schaltern. Gehen wir einen Schritt zurück. Die herkömmlichen Tastaturen, die Du in Büros oder zu Hause findest, sind in den meisten Fällen rubberdome Tastaturen. Hierbei wird der Tastenanschlag durch das Durchdrücken einer Gummimembran registriert und verarbeitet. So entsteht das Signal und das Gefühl die Taste zu drücken.

Mechanische Tastaturen setzen bei diesem Gefühl an und zielen darauf ab, es zu verbessern. Anders als bei rubberdome Tastaturen gibt es hier ein Bauteil, den Switch (Schalter), das runtergedrückt wird und somit einen elektrischen Kreis schließt. Dieser Kontakt erzeugt dann das Signal.

Verschiedene Switches erzeugen dabei ein unterschiedliches Tippgefühl. Dazu später mehr.

Warum eigentlich mechanisch?

Wie vorhin schon beschrieben bieten herkömmliche rubberdome Tastaturen nicht für jeden den gewünschten Tipp-Komfort. Daher greifen viele auf mechanische Tastaturen zurück. Doch auch normale mechanische Tastaturen von großen Marken, wie Cherry, Logitech oder Razer erfüllen oft nicht die Anforderungen, weshalb gerne zu komplett selbst gebauten Tastaturen gegriffen wird.

Mechanische Tastaturen wirken auch weniger ermüdend, da der Auslösepunkt wesentlich höher liegt und Du die Taste nicht ganz durchdrücken musst. Das spart Energie und wirkt sich positiv aus, wenn Du besonders viel schreibst.

Die Idee

Der Eigenbau einer mechanischen Tastatur bietet Dir unheimlich viele Möglichkeiten alle Faktoren auf Deine individuellen Bedürfnisse anzupassen. Bevor Du allerdings wild darauf losstürmst und Dir Teile kaufst, solltest Du Dir einige Gedanken machen was eigentlich Deine

Anforderungen an die mechanische Tastatur

sind. Als Erstes steht die Entscheidung über den Formfaktor. In der Welt der custom Keyboards gibt es unzählige, teils sehr skurrile Formfaktoren für mechanische Tastaturen. Die gängigsten sind hierbei

Full size

Ein full size Keyboard ist das übliche Layout einer normalen Tastatur. Neben den Character Keys und den Modifiern gibt es die F-Tasten, den Navigational Cluster und das Numpad. Hier finden je nach Layout 104–108 Tasten ihren Platz.

Mechanische Tastatur im Full Size Layout
Das full size Layout bietet alle Tasten ordentlich und sortiert. Credit u/LavaTramp

1800

Das 1800 Layout bietet dieselbe Anzahl an Tasten, wie das full size Layout. Anstelle eines separierten Navigational Cluster und Numpad werden die beiden Bereiche zusammengefasst und komprimiert. So wird die mechanische Tastatur insgesamt schmaler.

Mechanische Tastatur mit 1800 Layout
Das 1800 Layout bietet alle Funktionen. Credit u/Tuka-Chinchilla

96 %

Das 96 % Layout ist die kompakteste Version einer mechanischen Tastatur mit allen Tasten. Dieses Layout lässt sich mit einem komprimierten 1800 Layout vergleichen.

Mechanische Tastatur mit 96% Layout
Eine mechanische Tastatur mit 96% Layout. Credit u/Tuka-Chinchilla

TKL

Das TKL oder TenKeyLess ist eine vollwertige Tastatur ohne Numpad.

Mechanische Tastatur mit tenkeyless Layout
Mit dem TKL Layout lässt sich fast jeder zufrieden stellen. Credit u/RoyalOranges

75 %

Mit dem 75 % Layout werden die Tasten wesentlich enger belegt. Ein Numpad ist nicht mehr vorhanden und der Navigational Cluster wird aufgebrochen und seitlich angeordnet. Die F-Tasten bleiben erhalten.

Mechanische Tastatur mit 75% Layout
Custom Tastaturen sind wahre Kunstwerke – hier ein 75% Layout. Credit u/doooostin

65 %

Ein 65 % Layout verzichtet neben dem Numpad auch auf die F-Tasten. In manchen Fällen bleiben Pfeiltasten und einige wenige Navigationstasten erhalten.

Mechanische Tastatur mit 65% Layout
Das 65% Layout bietet ein paar Tasten zusätzlich zu den normalen, vielen reicht das. Credit u/aussinese

60 %

Das 60 % Keyboard ist neben full size und TKL am beliebtesten. Anders als beim 65 % fehlen hier zusätzlich zu allen anderen fehlenden Tasten auch die Navigationstasten. Selten werden Pfeiltasten verbaut.

Mechanische Tastatur mit 60% Layout
Ein schönes Beispiel für ein 60% Layout. Credit u/zantensuken5000

40 %

Mit dem 40 % Layout ist man an der kleinsten praktikablen Tastatur angelangt. Als ein 60 % Layout ohne Zahlenreihe kann man es am besten beschreiben.

Mechanische Tastatur mit 40% Layout
Viel kleiner geht es nicht – das 40% Keyboard. Credit u/aussinese

Und was brauche ich jetzt?

Natürlich wirst Du Dich jetzt fragen welcher Formfaktor der richtige für Dich ist. Dazu ist es wichtig zu verstehen, zu welchem Zweck Du Deine mechanische Tastatur verwendest.

Als Vielschreiber, der hauptsächlich Texte schreibt, wird für Dich wahrscheinlich alles in Frage kommen. Da spielt dann die persönliche Präferenz und die Ästhetik eine große Rolle.

Arbeitest Du mit Zahlen, so wird das Numpad unverzichtbar sein und sollte auf Deiner mechanischen Tastatur nicht fehlen. Möchtest Du dennoch ein 75 % oder kleineres Modell bauen, ist ein externes Numpad eine sinnvolle Investition.

Wenn du viel zockst und dadurch Platz für deine Maus benötigst, ist das 60% Keyboard eine gute Idee. Die wichtigsten Funktionen werden abgedeckt ohne, dass kostbarer Platz verbraucht wird.

Alle anderen Formfaktoren sind nicht zwangsläufig schlecht und unbrauchbar. Bei ihnen geht es dann mehr um Ästhetik und Erscheinung. Jeder Formfaktor hat seine Vorteile und ebenso auch seine Nachteile. Die Entscheidung fällst Du im Endeffekt individuell nach Deinen eigenen Bedürfnissen.

 

Neben dem Formfaktor kommen noch andere Anforderungen an das Keyboard, die Du im Voraus klären solltest. Das Tastenlayout muss klar sein, denn dadurch wird im nächsten Schritt auch die Wahl eines PCBs (die Platine, auf der die Switches sitzen) beeinflusst.

Standardmäßige Layouts wie ANSI (US), ISO (EU) oder asiatische Layouts findet man bei den meisten PCBs. Spezielle Layouts mit anderen Anordnungen, wie Ortholinear oder split Keyboards (geteilte Tastaturen für jeweils eine Hand) erfordern zwangsläufig auch ein spezielles PCB.

Als letzte Anforderung stellen wir die Frage nach einem Hot-Swap PCB. Das bedeutet, dass Du ohne zu löten Switches beliebig austauschen kannst. Hot-Swap eignet sich hervorragend für alle, die einsteigen wollen und keine Löterfahrung haben, oder Switches im Nachhinein tauschen möchten.

Allerdings sind Hot-Swap PCBs den gängigen “Mainstream” – Modellen vorenthalten und limitieren die Auswahl somit.

Entscheidest Du Dich für ein normales PCB solltest Du im Hinterkopf behalten, dass Du löten wirst. Das ist nicht allzu schwer und sollte nach diesem Tutorial ein Kinderspiel sein.

Teile für die mechanische Tastatur

Die Teile für Deine selbst gebaute mechanische Tastatur findest Du bei spezialisierten Händlern. Beachte hierbei, dass es sich oft um exklusive Teile handelt, die nur in einem sogenannten Group buy zeitlich begrenzt und limitiert verfügbar sind.

Gut zu wissen!
Ein Group Buy bezeichnet ein spezielles Kaufverfahren. Hierbei fragt der Hersteller die Community, ob Interesse für das angebotene Produkt besteht. Ist die Resonanz ausreichend hoch, kann das Produkt produziert werden. Das heißt im Umkehrschluss, dass solche Produkte nur produziert werden, wenn überhaupt eine ausreichende Nachfrage besteht.

Darüber hinaus kann es vorkommen, dass ein Group Buy eine oder mehrere Runden durchläuft, je nachdem, wie stark die Nachfrage nach einer zweiten (dritten und vierten) Runde ist.

Des Weiteren ist wichtig zu beachten, dass viele Hersteller in Asien produzieren und von dort aus versenden, weshalb die Versandkosten bei weit über 10 € liegen können.

Eine Liste an Herstellern und Lieferanten findest du unten.

Gehäuse

Das Gehäuse Deiner mechanischen Tastatur bietet die Grundlage für alle weiteren Bauteile. Im Schritt zuvor hast Du Dir schon Gedanken gemacht welchen Formfaktor Deine mechanische Tastatur haben soll. Anhand dessen wählst Du nun ein Gehäuse aus.

Materialien wie Acryl und Kunststoff sind günstig und leicht. Es gibt sie in vielen Farben und Größen, sodass jeder fündig wird. Aber auch Holz und Metallgehäuse sind weit verbreitet und werden gerne verbaut. Hier ist vor allem die Haptik und der Klang der Tastatur besonders.

Das Gewicht spielt für viele Selbstbauer auch eine Rolle. Manche wollen es leicht, andere hingegen schwer. Was für Dich das Beste ist, hängt vom Einsatzgebiet Deiner Tastatur ab.

Soll sie häufig transportiert werden, weil du gerne Arbeitsplätze wechselst? Ein leichtes Gehäuse wird Dir hier das Leben wortwörtlich leicht machen. Beachte, dass leichte Tastaturen schnell hohl und billig klingen können. Eine Schaumstoffmatte als Füllmaterial schafft hier Abhilfe, dazu weiter unten mehr.

Wenn Du die Tastatur allerdings nicht viel bewegst und Wert auf einen vollen Klang und ein sattes Tippgefühl legst, bist Du mit einem schweren Gehäuse besser beraten. Einige Gehäuse bieten zusätzliche Gewichte zum Einbauen, sodass Du frei wählen kannst.

Egal für welches Material Du Dich entscheidest, Du solltest auf jeden Fall darauf achten, dass Dein Gehäuse sowohl mit dem PCB als auch mit der Befestigungsplatte (mounting plate) kompatibel ist. Diese drei Bauteile müssen immer aufeinander abgestimmt werden. Hier ersparst Du Dir durch eine gründliche Recherche im Vorfeld viel Ärger.

Mehr zum Thema Befestigung und Layout im nächsten Kapitel

PCB

Das PCB ist das Gehirn deiner Tastatur. Hier werden alle eingehenden Signale verarbeitet und an den Computer geschickt. Da das PCB nahezu alle weiteren Faktoren Deiner Tastatur bestimmt, ist es sinnvoll, dass Du Dir nochmal Deine Anforderungen an die mechanische Tastatur anschaust.

Diese leiten Dich im besten Fall direkt zum PCB, was perfekt zu deinen Bedürfnissen passt. Nochmal ein kurzer Rückblick, auf welche Faktoren es hier genau ankommt:

    • Formfaktor: Hierbei entscheidet sich, ob Du ein großes oder lieber ein kleines Keyboard bauen möchtest. Lieber ohne Numpad oder lieber doch full size? Wenn Du Unterstützung brauchst spring nochmal zurück nach oben.
    • Layout: Die Frage nach dem Layout ist nicht zwangsläufig die wichtigste, aber auch nicht zu vernachlässigen. Ein ISO Layout nach EU Standard ist für deutsche Endverbraucher das bekannteste, wird allerdings im custom Markt nicht für jedes PCB angeboten. Das ANSI Layout (US) ist genauso gut und benötigt nur wenig Umgewöhnung
    • Hot-Swap: Ob Du ein Hot-Swap PCB wählst, oder eins zum Löten macht nochmal einen Unterschied. Hot-Swap PCBs sind oft nur bei den oft gekauften Modellen zu finden und limitieren die Auswahl ein wenig. Ein Board zum Löten erfordert ein wenig Übung und extra Werkzeug.

Eine weitere Frage, die sich bei der Wahl der Platine stellt, ist die Beleuchtung. Es gibt PCBs mit folgenden Varianten:

    • SMD LEDs: SMD LEDs sind fest auf der Platine verbaut und können per Software in allen RGB Farben leuchten
    • Through hole LEDs: Diese LEDs sind nicht fest auf dem Board verbaut und können im Nachhinein angelötet werden. Meist unterstützt ein solches Design jedoch nur einfarbige LEDs.
    • Underglow: Hier sind die LEDs auf der Unterseite des Boards verbaut und sorgen für eine Unterbeleuchtung. Beachte, dass dein Gehäuse diese unterstützen muss. Besonders bei frosted Acrylic Gehäusen sieht eine Unterbeleuchtung sehr gut aus.
Achtung!
SMD und Through hole LEDs benötigen kompatible Switches, die ein durchsichtiges oder milchiges Gehäuse haben, um das Licht durchzulassen.

Die letzte wichtige Entscheidung bei der Platine ist der Anschluss. Die meisten PCBs werden mit einem USB-C-Anschluss angeboten, es gibt aber auch welche mit mini USB. Wir empfehlen allerdings immer einen USB-C-Anschluss zu wählen, da dieser zukunftssicher und vor allem schneller und verlässlicher ist.

Einige Platinen werden mit besonderen Eigenschaften angeboten. Drehknöpfe oder spezielle Multimedia Bedienelemente sind ein Nice-to-have aber kein Muss.

Zur Befestigung der Platine wird diese meist auf kleine Abstandshalter im Gehäuse geschraubt. Es gibt in der custom Szene zwar keinen festgesetzten Standard für die Position dieser Abstandshalter, allerdings hat sich eine inoffizielle Regelung etabliert, nach der die Position festgelegt wird. Daher kannst du durch einen kurzen Check der Beschreibung von Case und PCB feststellen, ob sie miteinander kompatibel sind.

PCBs findest Du oft auch als Kits. Dabei sind Gehäuse, mounting plate und PCB direkt in einem Set gebündelt. Das spart aufwändige Recherche und hilft Dir Dich auf andere Dinge zu konzentrieren, wie z. B. Switches und Keycaps.

Deckplatte

Die Deckplatte oder mounting plate sorgt für eine stabile Befestigung der Switches. Sie ist meist aus Kunststoff oder Metall und wird häufig zusammen mit dem Gehäuse angeboten.

Willst Du eine schwere mechanische Tastatur kannst Du hier nochmal viel Gewicht hinzufügen. Wähle dafür eine Metallplatte. Alu und Messing sind die gängigsten, wobei Alu etwas leichter ist als Messing.

Mit der Platte werden auch erste Weichen für das Tippgefühl gestellt, da die Switches direkt mit ihr verbunden sind. Die verschiedenen Befestigungsarten siehst Du in dieser Übersicht.

Der Bottom out kann sich je nach Befestigungs-Design eher weich oder eher hart anfühlen. Den meisten ist ein eher weicher Bottom out lieber, da dies zu einem allgemein angenehmeren Tippgefühl führt.

Gut zu wissen!
Als Bottom out wird der Zustand bezeichnet, in dem der Switch komplett durchgedrückt wurde. Grundsätzlich soll ein Bottom out vermieden werden, da es gesünder für Hand und Finger ist.

Ein mechanischer Switch vermeidet einen Bottom out in den meisten Fällen, da der Auslösepunkt sehr hoch liegt. So muss der Switch nie ganz durchgedrückt werden.

Stabilisatoren

Stabilisatoren sind zum Stabilisieren da – wer hätte das gedacht? Sie unterstützen den Switch bei besonders großen Keycaps (Leertaste, Shift-Taste) und verhindern ein Wackeln und Rasseln dieser Tasten.

Es gibt Push-in und Screw-in Stabilisatoren. Push-ins werden einfach in die dafür vorgesehenen Löcher auf der Platine gesteckt und halten durch ihren Pin. Screw-ins werden mit der Platine verschraubt und halten so auf ihr.

Normalerweise werden Screw-ins bevorzugt, da sie fester und auch leiser verbaut sind. Wenn es auf geringe Lautstärke ankommt, sind sie die bessere Wahl.

Switches

Das Herzstück Deiner mechanischen Tastatur sind die Switches. Sie bestimmen Maßgeblich das Tippgefühl und den Klang. Entsprechend groß ist auch die Auswahl an verschiedenen Herstellern und Modellen.

Vorab klären wir allerdings ein paar Begriffe:

    • Linear Switch: Lineare Switches lassen sich ohne Feedback und “Klick” ganz durchdrücken.
    • Tactile Switch: Ein Switch, der ein spürbares Feedback gibt.
    • Clicky Switch: Switches, die neben einem spürbaren Feedback auch einen “Klick” produzieren.
    • Actuation force: Die Kraft die benötigt wird, um den Switch so weit zu drücken, dass er das Signal auslöst.
    • Stem: Der bewegliche Teil des Switches auf dem die Keycap sitzt.
    • Housing: Das Gehäuse des Switches.
    • Travel distance: Strecke bis zum Aktivationspunkt.

Es gibt also drei verschiedene Arten an Switches. Zwischen diesen drei grundlegenden Unterschieden musst Du Dich als Erstes entscheiden. Die Entscheidung über den Hersteller oder das genaue Switch Modell erfolgt dann im zweiten Schritt.

Lineare Switches eignen sich vor allem für Dich, wenn Du viel zockst und daher schnelle Switches brauchst.

Tactile Switches sind ideal, wenn Du viel schreibst und zockst. Durch das taktile Feedback merkst Du, wann die actuation force überschritten wurde und kannst Dich so voll auf das Schreiben konzentrieren.

Clicky Switches erzeugen einen ganz charakteristischen “Klick”-Sound und sind daher am besten geeignet, wenn Du nicht mit anderen Menschen zusammenarbeitest. Die Lautstärke von clicky Switches kann als sehr störend empfunden werden.

Wenn Du Dich für eine dieser drei Varianten entschieden hast, kommt es im nächsten Schritt auf die genaueren Anforderungen an den Switch an. Du kannst unterschiedliche Federstärken wählen, wodurch die actuation force eher hoch (stärkere Feder) oder eher niedrig ist (leichtere Feder).

Weiterhin kannst Du entscheiden, ob Du einen silent Switch möchtest. Diese speziellen Switches eignen sich vor allem für lineare und teilweise auch für taktile Varianten. Sie sind durch einen speziellen Dämpfer am Stem besonders leise.

Switches für eine mechanische Tastature
Es gibt unzählige verschiedene Switches, die anhand ihrer Farbe unterschieden werden. Jeder sorgt für ein anderes Tippgefühl. Credit Eigene Darstellung

Zur Befestigung in der Tastatur haben Switches entweder drei oder fünf Pins. Switches mit drei Pins sind sogenannte plate mount Switches, was bedeutet, dass sie auf der mounting plate befestigt werden und nur die Kontakte in das PCB greifen. 5-Pin Switches haben zusätzlich zu den Kontakten zwei weitere Kunststoffpins, die auch in das PCB greifen und werden daher PCB mount Switches genannt.

Bei der Wahl Deiner Switches ist auch zu beachten, ob Du eine RGB Beleuchtung haben möchtest oder nicht. Sollen SMD LEDs verwendet werden benötigst Du ein durchsichtiges Switch Gehäuse. Bei through hole LEDs muss das Gehäuse Platz für eben solche bieten.

Da die Auswahl an Switches nahezu endlos ist, stellen wir Dir hier nur die original Cherry Modelle vor. Alle anderen Switches sind in der Regel eine Kopie des Cherry Switches mit abgewandelten Materialien oder leicht abgeänderten Bauteilen, wodurch ein anderes Tippgefühl oder andere Sound Charakteristika erzielt werden.

Die klassischen Cherry Switches haben wir Dir hier aufgelistet:

Linear

Cherry MX Red (auch in RGB und silent Variante)

  • leichte Betätigungskraft (45 cN)
  • 2 mm (1,9 mm) travel distance
  • 4 mm (3,7 mm) bottom out

Taktil

Cherry MX Brown (auch in RGB):

  • leichte bis mittlere Betätigungskraft (55 cN)
  • 2 mm travel distance
  • 4 mm bottom out

Clicky

Cherry MX Blue (auch in RGB Variante):

  • mittlere Betätigungskraft (60 cN)
  • 2,2 mm travel distance
  • 4 mm bottom out

Weitere Hersteller sind z. B.

    • Gateron: Eine nahezu exakte Kopie des Cherry Switches. Gateron Switches sind etwas günstiger und fühlen sich allgemein etwas besser an.
    • Kailh: Verglichen mit Cherry Switches sind Kailh Switches weicher und präziser in ihrer Taktilität allerdings spalten sich die Meinungen darüber. Wie bei vielen Switches kommt es hier auf das subjektive Empfinden an.
    • Zealpc: Zealios Switches von Zealpc werden von den meisten Enthusiasten als die weichsten und besten Switches angepriesen. Doch auch hier musst Du Dich selber überzeugen, ob sie für Dein Tippgefühl gut sind.

Sicherlich fragst Du Dich nun, wie Du all diese subjektiven Entscheidungen zu Switches treffen sollst. Wenn Du vor dem Bau einer mechanischen Tastatur stehst und dort viel Geld investierst, lohnt sich im Vorfeld auch die Investition in einen Switch Tester. Das ist eine Platte mit verschiedenen Switch Varianten, auf der Du alle austesten kannst und somit hoffentlich Deinen Lieblings-Switch findest.

Keycaps

Zu den Keycaps soll nicht zu viel gesagt sein, da auch hier die Entscheidung weitestgehend ästhetisch ist und ganz darauf ankommt, wie Du Dein Keyboard farblich gestalten willst.

Die Formfaktoren von Keycaps kannst Du Dir in dieser Übersicht anschauen. Das Layout der Keycaps kann stark variieren und hängt immer von deiner bevorzugten Sprache ab. Die meisten Layouts gibt es für englische Sprache.

RGB Beleuchtung ist ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung über die Keycaps. Möchtest Du eine RGB Beleuchtung auf Deiner Tastatur haben, so empfiehlt es sich, Keycaps zu wählen bei denen kein Licht durchscheinen kann. PBT doubleshot Keycaps eignen sich dafür gut. Schlechte Keycaps für RGB Beleuchtung siehst Du hier.

Bei den Materialien von Keycaps kommen hauptsächlich ABS und PBT Kunststoffe zum Einsatz. Die Vor- und Nachteile der einzelnen Materialien haben wir Dir hier aufgelistet:

ABS

Vorteile Nachteile
Ganzes RAL Farbspektrum verfügbar Schnellere Abnutzung der Taste, wird speckig

PBT

Vorteile Nachteile
Kaum Abnutzung der Tasten-Legende Weniger verfügbare Farben

Neben den normal verfügbaren Keycaps gibt es auch Einzelstücke die handgefertigt werden. Solche Artisan Keycaps sind eine schöne Ergänzung für besondere Tasten auf Deiner Tastatur und geben ihr einen eigenen Charakter. Artisan Keycaps sind jedoch sehr teuer, da sie immer Unikate aus Manufakturen sind, die oft von Privatpersonen betrieben werden.

Kabel

Das Kabel Deiner mechanischen Tastatur kann ein ganz normales USB-Kabel sein, denn hier gibt es technisch kaum Anforderungen. Allerdings findest Du auch hier, wie überall in der custom Szene, viele Anbieter, die besondere Kabel für Deine mechanische Tastatur anbieten.

Solche Kabel werden farblich auf Deine Tastatur abgestimmt und können interessante Features, wie ein spezieller Adapter oder ein gewickeltes Kabel. Ein Beispiel haben wir Dir hier verlinkt.

Vor dem Bau der mechanischen Tastatur

Bevor Du Deine mechanische Tastatur bauen kannst, gibt es einige Modifikationen, die Du vornehmen kannst, um noch mehr aus der Tastatur herauszuholen.

Case

Das Case kann, wie schon vorher erwähnt, hohl klingen. Einige bevorzugen einen Dumpfen und satten Klang der mechanischen Tastatur beim Tippen. Dieser Sound kann durch ein dämpfendes Material erzielt werden. Lege dazu dünnen Schaumstoff unter das PCB in das Case und fülle so alle Hohlräume aus. Einen günstigen und effektiven Weg zeigt Dir dieses Video:

Switches

Um das Tippgefühl zu optimieren, verwenden viele Selbstbauer Schmierfett um die beweglichen Teile des Switches zu fetten. Das verringert nicht nur das Kratzen von Plastik auf Plastik, sondern verhindert auch unangenehme Hintergrundgeräusche, die beim Tippen entstehen. Ein Video zum genauen Ablauf findest Du hier drunter.

Welches Schmierfett Du verwendest, ist ein umstrittenes Thema. Grundsätzlich gilt, dass das verwendete Fett auf Dauer nicht klumpen darf und nicht zu zäh sein darf. Weiterhin solltest Du darauf achten, dass es nicht leitend ist. Wie im Video zu Stabilisatoren erwähnt, ist Silikonfett (Dielectric grease) gut für Metall-Plastik-Kontakte geeignet, während Teflon Fett für Plastik-Plastik-Kontakte bevorzugt wird. Für weitere Informationen zu diesem Thema klicke hier.

Des Weiteren kannst Du auch O-Ringe unter den Keycaps installieren, um den Bottom out weicher zu machen und den Klang zu dämpfen. Dazu benötigst Du nur Gummiringe, die Du extra für diese Anwendung kaufen kannst. Anschließend werden die O-Ringe von unten auf die Keycap aufgezogen (dort wo der Stem in die Keycap greift). Du kannst zwischen verschiedenen Größen und unterschiedlicher Festigkeit wählen, je nachdem, wie Dein Bottom out verändert werden soll.

Stabilisatoren

Lautstärke ist oft ein Problem bei Stabilisatoren. Durch die Bauweise und ihre Funktion kommt es oft zu unerwünschtem Rasseln oder Kratzen. Dieses Problem kannst Du beheben, indem Du den Stabilisator modifizierst. Ein einfaches Tutorial dazu haben wir dir hier verlinkt:

Beim Bauen

Nachdem Du jetzt sämtliche Entscheidungen über Teile und Modifikationen getroffen hast, kannst Du nun endlich mit dem Zusammenbauen anfangen. Damit Du Dabei einen roten Faden hast, an den Du Dich halten kannst, haben wir Dir den Ablauf zusammengefasst.

Beachte, dass das hier keine perfekte Anleitung ist, die genau so nachgebaut werden muss, sondern mehr eine Orientierung darstellt.

Als allererstes solltest Du überprüfen, ob Du alles hast, was Du benötigst:

Bauteile Check
Case
PCB
Mounting plate
Stabilisatoren
Switches
Keycaps

 

Werkzeug Check
Feine Schraubendreher Kreuz und Schlitz
Feine Zange/Pinzette
Clipper
Schale zur Aufbewahrung von Kleinteilen
Schmiermittel

Ist die Liste abgehakt, kannst Du loslegen. Wir gehen davon aus, dass Du, sofern Du möchtest, alle Switches und die Stabilisatoren so weit modifiziert hast, wie Du möchtest.

Bevor Du irgendetwas lötest und verbaust, solltest Du Dein PCB testen. Schließe dazu dein PCB an einem Computer an und öffne den Keyboard-Tester. Überbrücke nun die Goldkontakte jeder Switch-Position mit einer Pinzette. Wenn alle Kontakte ein Signal ausgeben, kannst Du fortfahren.

Der zweite Schritt ist die Installation der Stabilisatoren. Bei einem ANSI Layout werden in der Regel 4 Stabilisatoren benötigt. Sie werden unter beiden Shift-Tasten, unter der Leertaste und unter der Enter-Taste eingebaut.

Hast Du ein PCB, auf dem die Switches gelötet werden müssen, ist es nun an der Zeit das zu tun. Die mounting plate (sofern vorhanden) muss zwischen den Switches und dem PCB liegen. Sie hält die Switches in Position und gibt ihnen Stabilität.

Achtung!
Bei einem Hot-Swap PCB erfolgt der Einbau der mounting plate erst in einem späteren Schritt.

Im nächsten Schritt wird das gelötete PCB mit der mounting plate in das Case eingebaut. Nachdem Du den Schaumstoff im Case platziert hast, schraubst Du das PCB an den vorgesehenen Stellen fest. Für ein Hot-Swap PCB baust du jetzt die mounting plate ein.

Für Hot-Swap PCBs: Nachdem Dein Rohbau fertig ist, folgt jetzt die Installation der Switches. Achte darauf, dass die Kontaktpins stets gerade sind und drücke dann die Switches jeweils in die dafür vorgesehenen Slots.

Wenn alles sitzt und funktioniert, kannst Du Deine Keycaps aufsetzen und bist

Fertig

Hurra! Deine erste selbst gebaute mechanische Tastatur ist fertig und einsatzbereit. Die meisten PCBs unterstützen die QMK Firmware. Du kannst sie auf dieser Seite kostenlos herunterladen. Hier kannst Du alle Tasten Deiner Tastatur eigenständig programmieren und selbst nach Belieben zuweisen.

Fazit

Am Ende dieses Beitrags angelangt bist Du wahrscheinlich erst mal überwältigt von der Fülle an Informationen. Das Thema ist super umfangreich und Du wirst nicht in einem Tag zum Profi auf diesem Gebiet. Deshalb ist es gut, wenn Du langsam anfängst und Dich weiter informierst.

Der Bau einer mechanischen Tastatur an sich ist nicht schwer. Viel aufwendiger ist die Suche nach den passenden Teilen und die Teile dann auch tatsächlich zu bekommen, denn so einfach ist das nicht immer.

Du solltest auf jeden Fall nicht davor zurückschrecken in das Thema einzusteigen, denn man lernt immer dazu, egal wie viel Erfahrung man hat.

Quellen

Links

  1. https://www.keyboardco.com/blog/index.php/2017/08/full-size-tkl-60-and-more-a-guide-to-mechanical-keyboard-sizes/
  2. https://thomasbaart.nl/2019/04/07/cheat-sheet-custom-keyboard-mounting-styles/
  3. https://www.reddit.com/r/MechanicalKeyboards/comments/3s5jxf/review_comparing_cherry_switches_against_gateron/
  4. https://linustechtips.com/main/topic/1041863-kailh-vs-cherry-switches/
  5. https://mechlab.cc/a-guide-to-keycap-profiles/
  6. https://imgur.com/r/MechanicalKeyboards/2Dbl8C1
  7. https://clarkkable.com/wp-content/uploads/2016/12/curled_2.jpg
  8. https://switchandclick.com/2020/01/22/what-lube-to-use-for-mechanical-keyboard-switches/
  9. https://www.keyboardtester.com

Lieferantenverzeichnis

  1. www.novelkeys.xyz
  2. www.zealpc.net
  3. www.kbdfans.com
  4. www.ramaworks.com
  5. www.keycult.com
  6. www.mechanicalkeyboards.com

 

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