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Karate: Welche Stilrichtung passt zu mir?

Karateka macht eine Kata im Sonnenuntergnag

Du kennst bestimmt noch den Film “Karate Kid” aus den 80ern, zu dem es nun eine Fortsetzung gibt – in Form der Netflix-Serie “Cobra Kai”. Durch solche Filme und Serien wird Karate immer wieder beliebt und viele Menschen möchten diesen Kampfsport ausprobieren.

Bevor man jedoch eine Meinung bilden kann, ist es wichtig, sich klarzumachen, dass Karate unterschiedliche Stilrichtungen hat, die sich auf ganz verschiedene Dinge konzentrieren, denn jede davon hat ihre eigene Philosophie und Trainingsweise. Wir möchten Dir einen Überblick über die Stilrichtungen des Karate geben und Dir dabei helfen, die passende für Deine Ansprüche und Ziele zu finden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Karate hat unterschiedliche Stilrichtungen, die einander sehr ähneln, aber auch ihre Besonderheiten haben
  • Karate kann jeder machen, unabhängig von Geschlecht, Alter und gesundheitlichem Zustand
  • Karate ist ein Gesundheitssport
  • Der DKV ist der offizielle Verband für Karate in Deutschland
  • 22 Stilrichtungen sind im DKV vermerkt

Hintergründe: Was Du über Karate und dessen Stilrichtungen wissen musst

Karate ist eine sehr bekannte Kampfsportart, für die besonders durch unterschiedliche Filme und Serien geworben wird. Jedoch wird diese Kampfkunst häufig nur darauf reduziert, was in den jeweiligen Filmen gezeigt wird. Dabei besteht Karate nicht nur aus dem Kämpfen. Es wird von einer tiefgründigen Philosophie begleitet, die Dich Dein ganzes Leben lang begleiten soll. Zudem der Kampfsport sehr vielseitig und kann von jedem – egal welches Geschlecht oder Alter – gemacht werden.

Wir möchten, bevor wir die Stilrichtungen des Karate erklären, zunächst einmal das Karate selbst vorstellen. Im Folgenden zeigen wir Dir die Hintergründe des Karate und erklären Dir alle wichtigen Aspekte des Trainings, der Etikette und der Weiterbildungsmöglichkeiten. Anschließend geben wir Dir einen groben Überblick über Stilrichtungen im Allgemeinen.

Was ist Karate?

Karate ist ursprünglich eine Kampfkunst, die bis ins Jahr 500 n. Chr. reicht. Sie hat ihre Ursprünge in einem chinesischen Kloster, in dem aus Kombinationen von gymnastischen Übung eine Kampfkunst entstand, die keine Waffen benötigt. Diese ist als Shaolin Kung Fu bekannt. Daraus entwickelten sich später unterschiedliche chinesische Kampfkünste.

Das heutige Karate wird auf die japanische Insel Okinawa zurückgeführt. Durch den Kontakt zum Festland Chinas konnten erste Teile der chinesischen Kampfkünste bekannt werden. Daraus entwickelte sich das Karate-Do, das wir heute kennen – der “Weg der leeren Hand”. Der Karatekämpfer (Karateka) verwendet keinen Waffen. Es wurde auch stets im Geheimen geübt, sodass nur der Meister dem Schüler sein Wissen übergeben konnte.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Karate wieder öffentlich gemacht und Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zum ersten Mal in die USA. Ab diesem Moment begann die Ausweitung des Karate, sodass es offiziell zu einer Sportart wurde. Der erste Karateverein in Deutschland wurde 1957 in Bad Homburg gegründet, sodass 1961 der Deutsche Karate Bund gegründet wurde.

Karate ist mehr als nur der bloße Kampf. Es benötigt viel Konzentration und Geduld. Anfänger werden selten sofort zum Kampf zugelassen.
Karate hoher Tritt zum Kopf

Ein Karateka, der einen hohen Tritt (zum Kopf) macht.

Karate in Deutschland und der DKV

Nach der Gründung des ersten Dachverbandes wurden immer mehr Karate Verbände gegründet, aus denen 1976 der Deutsche Karate Verband (DKV) entstand. Dieser ist der offizielle Fachverband in den Deutschland und vertritt alle Stilrichtungen. Zudem wird er vom Bundesministerium des Innern gefördert. Er dient allen Vereinen (Dojos) als Leitbild und Orientierung. Er ist zudem für die Ausführung von Meisterschaften verantwortlich. Der DKV hat fast 153.000 Mitglieder, wovon die Hälfte Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre sind.

Karate ist in Deutschland als Gesundheitssport anerkannt und besitzt die höchste Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB): “Sport Pro Gesundheit”. Im Leistungssport gehört Deutschland zu den führenden Ländern und hat eine hohe Nachwuchsrate. Aber auch als Hobbysport ist Karate deutschlandweit gut vertreten. Im DKV sind 2500 Vereine mit verschiedenen Stilrichtungen eingetragen. Zudem gibt es auch spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche.

Das Karate Training

Ein klassisches Karate Training besteht aus mehreren Teilen. Bevor das Training beginnt, ist es wichtig auf die Etikette zu achten. Wenn Du den Raum, also das Dojo, betrittst, verbeugst Du Dich. Dies ist ein wesentlicher Teil des Karates, weshalb Du Dich auch vor und nach den Übungen verbeugst. Damit folgst Du der wichtigsten Regel: “Karate beginnt und endet mit Respekt”.

Karate Begrüßungszeremonie

Karateka meditieren während der Begrüßungszeremonie.

Zudem fängt jedes Training mit einer Begrüßungszeremonie an, die auch das Training beendet. Bei dieser kniet sich jeder, geordnet nach der Gürtelfarbe und dem Grad, auf den Boden. Hierbei meditieren alle miteinander, bis der Meister andeutet, dass es weitergeht. Daraufhin verbeugen sich alle dreimal, um den Meister, das Dojo und sich gegenseitig zu begrüßen. Daraufhin stehen alle auf und verbeugen sich erneut. Wie genau die Begrüßung gemacht wird, ist jedoch sehr Dojo- und Stil-abhängig, weshalb dies nur eine Variante ist.

Im folgenden Video wird Dir die Begrüßung Schritt für Schritt am Beispiel eines Dojos erklärt.

Nach dem Angrüßen wärmen sich alle zusammen auf und erst danach werden alle in kleinere Gruppen aufgeteilt. Diese werden meistens abhängig von der Gurtfarbe erstellt. Das Training kann nun aus unterschiedlichen Teilen bestehen. Es gibt dabei klassische Grundtechniken (Kihon), die häufig wiederholt werden und die Grundlage für alles andere liefern.

Zudem gibt es den choreografischen Kampf gegen einen imaginären Gegner (Kata), zu dem es passende Partnerübungen gibt (Bunkai). Die verschiedenen Stilrichtungen im Karate haben auch jeweils ihre eigenen Katas, die in verschiedene Schwierigkeitsstufen eingeteilt werden können. Dies wiederum ist von den bereits gelernten Grundtechniken und dem Gurt abhängig.

Neben einfachen Partnerübungen gibt es auch die Möglichkeit, sein Können in einem Kampf zu testen. Der freie Kampf (Kumite) erwartet eine Körperkontrolle und Fairness. Es gibt unterschiedliche Formen des Kumites, die mehr oder weniger Können von dem Karateka benötigen. Viele Vereine bieten zusätzlich zu den klassischen Teilen auch Selbstverteidigung an. Hierbei können neben den klassischen Abwehrtechniken auch Hebel- oder Wurftechniken unterrichtet werden.

Karate basiert sehr stark auf Respekt. Deshalb wird auch während des Kampfes von jedem Respekt und Fairness erwartet.

Die passende Trainingskleidung

Du hast bestimmt schon einmal im Fernsehen gesehen, wie ein Karateka gekleidet ist. Dies ist in den meisten Fällen auch die Realität. Im Karate tragen alle einen Karateanzug (Gi) aus Baumwolle. Dieser besteht aus einer Hose und einer Jacke, die wie ein Kimono gebunden wird. Frauen tragen ein Top oder T-Shirt darunter. Der Anzug besteht aus einem festen Material und ermöglicht so einen Bewegungsfreiraum und erleichter zudem Wurf- und Grifftechniken.

Um die Taille (oder Hüfte) wird ein Gurt (Obi) gebunden, der den Trainingsstand des Karatekas zeigt. Die Farben sind weiß, gelb, orange, grün, blau, braun und schwarz. Wie Du einen Gürtel richtig bindest, zeigt Dir das folgende Video. Beide vorgestellt Variante sind geeignet, sodass jeder seine bevorzugte Bindeweise hat.

Es wird immer barfuß trainiert, Kinder dürfen aber auch Turnschlappen tragen. Einige tragen auch spezielle weiche Karateschuhe. Beim Kumite werden fast immer Faustschützer getragen. Einige tragen auch spezielle Schienbeinschützer. Bei Wettkämpfen tragen Männer einen Tiefschutz und Frauen einen Brustschutz. Zudem wird ein Mundschutz getragen.

Graduierungen und Prüfungen

Das Können eines Karatekas wird in Kyu- und Dan-Graden gemessen. Während die Kyu-Grade bei 9 anfangen und bei jedem Fortschritt kleiner werden, steigen Dan-Grade bis zum 10. Grad auf. Die Kyu-Grade stellen die Farbgurte dar – also die Anfänger. Die Schwarzgurtstufen werden in Dan gemessen.

Karate Weißgurt

Jeder Anfänger trägt zuerst einen weißen Gurt, der um die Taille oder Hüfte gebunden wird.

So tragen Anfänger zunächst einen weißen Gurt (9.Kyu-Grad) und steigern sich nach oben. Daraufhin folgen die Farben gelb (8.Kyu), orange (7.Kyu) und grün (6. Kyu). Ab hier wird es anspruchsvoller und die Karatekas tragen nun zweimal hintereinander einen blauen Gurt (5. und 4. Kyu) und daraufhin 3 Braune (3., 2. und 1. Kyu). Nachdem alle drei braune Gurtstufen erreicht wurden, kommt endlich der schwarze Gurt. Hierbei gibt es 10 Abstufungen, die nun beim 1. Dan beginnen und bis zum 10. Aufsteigen.

Um das Können des Karatekas zu testen, finden regelmäßig offizielle Prüfungen statt, in denen sich die jeweiligen Personen beweisen müssen. Für diese Prüfung gibt es spezielle Anforderungen, die bestimmte Grundtechniken, Katas und Partnerübungen erfordern. Diese variieren abhängig von der jeweiligen Stilrichtung. Zudem beziehen sich manche auf die klassischen Prüfungsordnungen, während andere die verkürzte Variante des DKV bevorzugen. Dies ist Vereins- und Richtungsabhängig.

Es gibt 9 Anfänger-Stufen im Karate, die in Farbgurten repräsentiert werden. Die 10 schwarzen Gurte stellen die hohen Karate-Stufen dar. Jede Stufe wird mit einer Prüfung kontrolliert. 

Was sind Stilrichtungen im Karate und woher kommen sie?

Die Stilrichtungen im Karate beziehen sich auf ihre unterschiedlichen Ursprungsorte. Sie stellen unterschiedliche Schulen dar. Meistens unterschieden sich die Stile in ihren Details, was auf den ersten Blick unwichtig erscheinen mag. Jedoch sind diese Details häufig der entscheidende Faktor, ob diese Art des Karate zu einer Person passt oder nicht. Denn wenn es manchmal nur unterschiedliche Ausführungen der Techniken sind, können es gelegentlich auch Unterschiede in der Philosophie oder in der Trainingsausführung sein.

Es gibt vier große Stilrichtungen (Shotokan, Goju-Ryu, Wado-Ryu und Shito-Ryu), die durch Vermischungen von den zwei okinawischen Stilen – Shorei-Ryu und Shorin-Ryu beeinflusst werden. Alle anderen kleiner Stilrichtungen entstehen wiederum basierend auf diesen sechs Stilen. Im DKV sind 22 Stilrichtungen eingetragen. Dabei ähneln sich viel jedoch sehr stark.

Zudem gibt es viele kleine Stilrichtungen, die zwar unbekannt sind, jedoch genauso hochwertig, wie die vier großen Schulen sind. Wichtig ist es, dass Du im Voraus weißt, was für Dich wichtig ist, damit Du Dich entscheiden kannst. Aber auch ein Schnuppertraining in verschiedenen Vereinen kann von Vorteil sein.

Welche Vorteile hat Karate?

Karate ist nicht nur ein einfacher Kampfsport. Es bietet für jeden Menschen zahlreiche Vorteile. Dabei ist das Wort “jeder” sehr wichtig. Denn jeder kann Karate machen. Dabei spielt es keine Rolle welches Geschlecht oder Alter man hat. Auch Menschen mit Behinderungen verschiedener Art können Karate ausüben.

Es ist ein Gesundheitssport, welcher nicht nur Verletzungen verhindern soll, sondern auch die Beweglichkeit, Koordination und Kontrolle über den eigenen Körper verbessert. So können Behinderungen nicht nur ausgeglichen werden. Die Personen werden integriert und durch das Prinzip des Respekts nicht anders behandelt als alle anderen. So können all voneinander lernen.

Aus genau diesem Grund fangen auch ältere Menschen häufig in einem höheren Alter mit dem Karatetraining an und halten sich so fit. Aber auch Kinder und Jugendliche werden durch Karate gefördert. Diese bilden auch die Hälfte der Mitglieder. Kinder lernen Konzentration und Beherrschung. Sie werden selbstbewusster und können sich und ihre Emotionen besser kontrollieren.

Zudem sind sie häufig an der Teilnahme bei Turnieren interessiert, die durch spezielle Kids Cups ermöglicht wird. Auch Frauen profitieren vom Karatetraining. Häufig wird die Selbstverteidigung in den Dojos hochgestellt. Karate hat dabei den Vorteil, dass nicht viel Kraft benötigt wird. Stattdessen hat derjenige den Vorteil, der mit Schnelligkeit und der richtigen Ausführung der Technik punkten kann.

Karate ist als Gesundheitssport für jeden geeignet. Es ist gut für Deinen Körper, verbessert Dein Selbstbewusstsein und benötigt nicht viel Kraft!

Die verschiedenen Stilrichtungen im Karate

Das Karate hat viele verschiedene Stilrichtungen, die teilweise nur kleine Unterschiede haben, aber zum Teil auch sehr viel bei der Wahl ausmachen. Am häufigsten verbreitet sind die vier großen Stilrichtungen Shotokan, Goju-Ryu, Wado-Ryu und Shito-Ryu. Aus diesen Schulen bilden sich auch viele anderen Stilrichtungen.

In Deutschland sind Shotokan und Goju-Ryu am häufigsten verbreitet, weshalb Du diese in den meisten Vereinen finden wirst. Da im DKV 22 Stilrichtungen sind, stellen wir Dir die vier großen Schulen vor, da Du diese auch am ehesten finden wirst. Zudem sind diese vier Stile von der World Karate Federation (WKF) und der European Karate Federation (EKF) anerkannt.

Stammbaum der Karate-Stilrichtungen

Um die verscheidenen Stilrichtungen besser zu verstehen, ist es hilfreich, einen Überblick über die Abstamungslinien zu haben. Zu sehen sind die vier großen Schulen mit ihren Ursprüngen und Einflüssen.

Shotokan

Shotokan ist der am häufigsten vertretene Karate-Stil weltweit. Er wurde von dem Okinawa-Meister Gichin Funakoshi gegründet. Dank ihm wurde 1922 das Karate in Japan eingeführt. Er stammt aus den zwei Schulen Shuri-te und Tomari-te. Abgeleitet von seinem Pseudonym “Shoto” entstand auch der Name der Stilrichtung. Das Wort “kan” bedeutet Gebäude, weshalb die Stilrichtung als “die Schule/ das Dojo von Shoto” verstanden werden kann. Dies bezieht sich auf das Dojo, indem Funakoshi lehrte. Diese Bezeichnung etablierte sich unter seinen Schülern, auch wenn es für ihn nur ein einziges Karate gab.

Die Techniken und Katas sind eine moderne Zusammenfassung vor allem des Shorin-Ryu und des Shorei-Ryu. Shotokan kombiniert tiefe Stellungen mit starken Techniken und einer hohen Dynamik. Im Shotokan spielt eine gute Dehnung eine Rolle, das viele Techniken eine gute Beweglichkeit benötigen. Die meisten Schläge und Tritte werden im mittleren Bereich ausgeführt.

Das bedeutet: zwischen dem Genitalbereich und dem Solarplexus, der zwischen Brustbein und Bauchnabel, direkt in der Mitte, liegt. Jede Technik ist gleichzeitig als Angriff und Abwehr gedacht. Es wird mit als Tiger-Stil bezeichnet, da hier der direkte Angriff nach vorne grundlegend ist.

Ein wesentlicher Unterschied zum u.a. Goju-Ryu besteht darin, dass die Füße während eines Kampfes ausgehend vom hinteren Fuß gewechselt werden. Im sportlichen Bereich wird eher auf Distanz geachtet, während die traditionelle Variante auf den Nahkampf besteht.

Zudem darf im Sportbereich auch zum Kopf getreten werden. Shotokan ist besonders für diejenigen interessant, die an Wettkämpfen orientiert sind. Denn die meisten Sieger der gemischten Meisterschaften stammen aus dem Shotokan. Selbst in Japan, in dem die Stilrichtung seltener vertreten ist, gewinnen die Vertreter des Shotokan am häufigsten.

Shotokan ist in Deutschland sehr beliebt. Der Fokus liegt auf dynamischen, kraftvollen Techniken, die immer die Körpermitte treffen. Im Sportkarate darf beim Shotokan auch bis zum Kopf getreten werden. Wichtig ist die Einhaltung von Distanz.

Goju-Ryu

Die Stilrichtung Goju-Ryu wurde von Chojun Miyagi gegründet. Der Stil basiert zudem auf der Schule Naha-te von Kanryo Higaonna und wurde 1929 nach Japan gebracht. Da Miyagi zuvor chinesisches Boxen lernte, hat das Goju-Ryu stärker ausgeprägte Elemente chinesischen Ursprungs. Zusammen mit dem Shito-Ryu ist das Goju-Ryu in Japan am häufigsten vertreten. Auch in Okinawa ist Goju-Ryu genauso stark vertreten. Beide Stile legen viel Wert auf ihre okinawischen Wurzeln. Der Name bedeutet übersetzt “hart (go) und weich (ju)”.

Die Stilrichtung basiert auf einer Kombination aus starken Angriffstechniken und sanfter Abwehr und wird aus den “Acht Regeln des Faustkampfes” abgeleitet. Im Gegensatz zum Shotokan wird im Goju-Ryu die Kondition sehr stark trainiert. Auch Kraftübungen spielen eine wichtige Rolle.

Die Stilrichtung besteht neben den klassischen Schlag-, Tritt- und Abwehrtechniken zudem aus zahlreichen Wurf- und Hebeltechniken. Auch Würgegriffe und Haltetechniken werden häufig trainiert, was in den anderen Stilen nicht so häufig anzutreffen ist. Bei allen Techniken wird sehr viel Wert auf die richtige Atmung gelegt, sodass es zwei Katas gibt, die nur darauf konzentriert sind.

Es gibt 12 feste Katas, von denen einige mehrere hundert Jahre alt sind. Im Vergleich dazu hat der Shotokan mit 27 Katas einen stärkeren Fokus auf den Kampfchoreografien. Zudem hat das Goju-Ryu deutlich höhere Stellungen, die dafür schmaler ausfallen. Dies ist besonders für diejenigen von Vorteil, die Knie- oder Rückenprobleme haben. Die zahlreichen Nahkampftechniken sind für die Selbstverteidigung von Vorteil.

Für Angriff und Abwehr werden alle Körperteile verwendet und Treffer sowohl im oberen als auch untern Körper sind erlaubt. Die Stilrichtung gehört zum Drachenstil, da die Karateka, wie auch ein Drache jeden Teil des Körpers verwenden dürfen. Eine klassische Technik ist dabei der Fußfeger, der der Bewegung eines Drachenschwanzes ähnelt.

Das Goju-Ryu enthält Elemente des chinesischen Boxens und ist deshalb, wie die chinesischen Kampfkünste ein Drachenstil, der die Verwendung aller Körperteile erlaubt. Die hohen Stellungen schonen die Gelenke und den Rücken, was nicht nur für Ältere praktisch ist. Denn so werden Knie- und Rückenverletzungen von Beginn an vermieden.
Kinder Karatetraining

Karate ist für Kinder sehr gut geeignet, unabhängig von der Stilrichtung.

Shito-Ryu

Das Shito-Ryu kombiniert die okinawischen Stile Shorin-Ryu und Shorei-Ryu – genauer gesagt leitet es sich von Shuri-te, Naha-te und Tomari-te ab. Es wurde von Kenwa Mabuni entwickelt. Der Name wurde als Ausdruck von Respekt von seinen beiden Meistern abgeleitet. Es steht für die Schriftzeichen dieser. “Shi” bezieht sich auf Itosu, während “To” von Higoanna abgeleitet wird. Ab 1929 lehrte Mabuni seinen Stil in Japan. Die Stilrichtung hat sowohl einen wissenschaftlichen als auch einen stark philosophischen Hintergrund. Neben dem Goju-Ryu zählt das Shito-Ryu zu den bedeutendsten Stilen in Japan.

Im Shito-Ryu wird ein starker Fokus auf Katas gelegt. Es gibt mehr als 60 unterschiedliche Katas und zahlreiche passende Bunkai-Übungen. Im Vergleich dazu werden im Shotokan deutlich häufiger Techniken trainiert, was bei Mabunis Stil seltener vorkommt. Die Katas haben bis heute ihre ursprünglichen Namen aus Okinawa beibehalten, denn wie auch das Goju-Ryu, hält das Shito-Ryu an seinem okinawischen Erbe fest.

Gelegentlich wird bei dieser Stilrichtung auch mit Waffen trainiert, was für das Karate eher unüblich ist. Die Stellungen können sowohl hoch als auch tief sein. Das Besondere an dieser Stilrichtung ist Kombination aus Teilen des Shotokan und Teilen des Goju-Ryu.

Diese Stilrichtung passt zu denjenigen, die auf Perfektion achten. Der starke Fokus auf das Trainieren von Katas ermöglicht genau dies. Stetige Wiederholungen ermöglichen es, Präzision zu erreichen. Zudem kann es für viele praktisch sein, dass hier die zwei Stile Shotokan und Goju-Ryu kombiniert werden, sodass aus beiden das Beste herausgeholt werden kann. Der Kampf kann kraftvoll, künstlerisch und schnell.

Die Techniken sind wie beim Goju-Ryu rund und kombinieren harte und weiche Abfolgen miteinander. Aber es werden auch direkte Angriffe wie beim Shotokan verwendet. Die Ausführung der Techniken ist harmonisch und sehr genau. Das Shito-Ryu gehört dem Stil des Weißen Kranichs an.

Karateka laufen eine Kata

Im Shito-Ryu ist das Kata-Laufen (Kampf gegen einen imaginären Gegner) besonders stark ausgeprägt.

Mit dem Shito-Ryu hast Du eine Kombination aus Goju-Ryu und Shotokan. So werden harte, weiche, direkte und schnelle Techniken verwendet. Das Shito-Ryu konzentriert sich sehr stark auf Katas, was für Kata-Liebhaber und Perfektionisten ideal ist.

Wado-Ryu

Das Wado-Ryu wurde 1939 von einem Schüler Funakoshis (Gründer des Shotokan) – Honorio Ohtsuka – gegründet. Es kombiniert Shotokan und Shito-Ryu miteinander. Zudem hat diese Stilrichtung Einflüsse aus dem Jujutsu. Das Wort “Wado” bedeutet “Der Weg des Friedens” und verkörpert die Philosophie der Stilrichtung. Auch das Wado-Ryu enthält – wie das okinawische Karate – chinesische Einflüsse, die besonders in den Namen vieler Katas zu erkennen sind. Die Schule hat sich die Taube als ihr Vorbild, da sie für den Frieden steht und die Prinzipien Ohtsukas verkörpert.

Beim Wado-Ryu werden Techniken des Shotokan verwendet, während Ausweichbewegungen gleichzeitig ein wesentlicher Teil des Stils sind. Diese werden aus dem Jujutsu aufgegriffen. Es gibt deutlich weniger Katas als beim Shotokan und Shito-Ryu. Auch das Kumite und Kihon (Grundtechniken) sind seltener im Wado-Ryu.

Vielmehr werden hier Hebel und Würfe, sowie Schläge, Stöße, Tritte und Blocks trainiert. Die Katas sind nicht auf Körperkontakt abgezielt. Sie fokussieren sich auf das Erlernen von Schnelligkeit. Das Ziel dieser ist es, mit schnellen Bewegungsfolgen aus der Trefferzone zu entkommen. Die Techniken sind dabei trotz ihrer Sparsamkeit sehr effektiv.

Bewegungen werden sehr kurz und eng geführt, teilweise nur durch Drehungen der Hüfte. Zudem sind die Stellungen stets auf das Ausweichen vorbereitet. Dadurch sind die Kämpfer nicht nur aufmerksam und vorbereitet. Zudem sind die Techniken und Bewegungen, wie auch beim Goju-Ryu besser für den Körper und verursachen keine Schäden.

Ein weiterer Vorteil ist die Wahrung der Distanz. Dies ist besonders für diejenigen praktisch, die Vollkontakt und Nahkampf meiden möchten. Die Hebel- und Wurftechniken beanspruchen zudem keinen großen Kraftaufwand, sodass jeder diese in mit der richtigen Ausführung umsetzen kann.

Das Wado-Ryu ist auf Distanz ausgerichtet und hat stets das Ausweichen in alle Bewegungen integriert. In dieser Stilrichtung lernst Du viel Techniken, die rein von der Ausführung und nicht der Kraft abhängen, sodass auch Frauen diese anwenden können. Zudem schont diese Stilrichtung Deinen Körper. t

Alle Stilrichtungen im Vergleich

Da Du nun die vier großen Stilrichtungen im Detail kennst, haben wir hier eine Übersicht erstellt, in der alle Stile des DKV aufgezählt sind. Einige haben ähnliche Eigenschaften und unterscheiden sich kaum voneinander. Mit dieser Übersicht, kannst Du einfacher herausfinden, welche der Stilrichtungen Du in Erwägung ziehen kannst.

Karate-Stilrichtungbesondere Eigenschaften
1. ShotokanTigerstil: direkter Angriff nach vorne
2. Goju-RyuDrachenstil: alle Körperteile werden verwendet; sehr körperfreundlich
3. Wado-RyuTaube: Frieden als Grundlage; sehr viele Ausweichbewegungen
4. SOK“stiloffenes Karate”; Stilrichtung-offenes Karate
5. Koshikankann jede traditionelle Karate-Richtung als Grundlage haben
6. Shito-RyuWeißer Kranich; kombiniert Shotokan und Goju-Ryu miteinander; körperschonend
7.   Shorin-Ryu-Seibukansehr traditioneller Karate-Stil
8. JKDtraditionelle Shoto-Karate Richtungen
9. Wadokaiaus dem Wado-Ryu entwickelt; Ausweichbewegungen, Schnelligkeit und Sparsamkeit als Grundlage
10. JKA ShokukaiVertretung der “Japan Karate Association” als eigene Stilrichtung im DKV; auf Funakoshis Traditionen (Shotokan) konzentriert
11. JKF Goju-Kaials “Japan Karatedo Federation” eigene Stilrichtung im DKV; vetrtitt die Goju-Ryu-Schulen in Deutschland
12. Internat. Goju-KanInternationaler Verband für die Goju-Ryu-Schulen; als eigene Stilrichtung im DKV vetreten
13. Shoto-Ryustark traditionell; Verteidigung im Vordergrund
14. KempoDrachenstil; mehrere Kampfkünste vereint
15. AKS-Karate“American Karate System”; traditionelle Stilrichtung, kombiniert aber Aikido, Judo, Jiu Jitsu und Karate miteinander
16. Kyokushin-Kaieine der härtesten Karate-Richtungen; Vollkontakt-Karate
17. YoshukaiTraining auch mit traditionellen okinawischen Waffen
18. Koreanisches KarateUrsprung in koreanischen Kampfkünsten; im Vergleich zum japanischen Karate sehr viele Fußtechniken
19. Shorin-Ryu-Siu Sin KanAbleitung des Shorin-Ryu mit Tradition in Malaysia
20. Tang Soo DoKombiniert chinesische und koreanische Kampfkünste
21. Kyusho-JitsuVerwendung der Vitalpunkte während des Kampfes
22. KobudoTechniken des Karate kombiniert mit zugänglichen (alltäglichen) Waffensystemen

Welche Stilrichtung soll ich auswählen?

Wie Du bereits sehen kannst, gibt es eine sehr große Auswahl an Stilrichtungen im Karate. Einige Stile ähneln sich sehr stark und haben nur kleine Unterschiede. Viele davon sind kleinere Untergruppen, die nicht so stark vertreten sind. Aus diesem Grund empfehlen wir Dir für den Anfang, sich bei den vier großen Stilen umzuschauen: Shotokan, Goju-Ryu, Wado-Ryu und Shito-Ryu.

Wenn Du eher an direkten Angriffen und an Wettkampfkarate interessiert bist, ist Shotokan die erste Wahl für Dich. Auch das Goju-Ryu ist für Wettkämpfe geeignet, jedoch wird dort der ganze Körper eingesetzt und Du lernst zudem auch Wurf-, Hebel- und Würgetechniken. Diese werden beim Wado-Ryu verstärkt erlernt, da es Einflüsse aus dem Jujutsu hat. Zudem ist dort das Angreifen im Hintergrund und ein starker Fokus liegt auf dem Ausweichen und auf der Distanz.

Beide Stile sind für Frauen sehr gut geeignet. Das Shito-Ryu ist sehr Kata-lastig, weshalb Du genau abwägen solltest, ob es Dir Spaß machen würde. Für diejenigen, die an Perfektion interessiert sind, ist diese Stilrichtung ideal. Neben den vier großen Stilen sind zudem das SOK, Shorin-Ryu-Seibukan, Kyokushin-Kai und das Kyusho-Jitsu interessant. Das SOK ist ein Stilrichtung-offenes Karate, was für diejenigen interessant ist, die unterschiedliche Dinge ausprobieren möchten.

Wer traditionelles Karate erlernen möchte, ist beim Shorin-Ryu-Seibukan richtig. Diese Stilrichtung legt einen hohen Wert auf Tradition und orientiert sich an dieser. Da Karate in Deutschland nur selten den Vollkontakt erlaubt, kann für einige das Kyokushin-Kai interessant sein. Im Gegensatz zu den anderen Stilen wird hier mit Körperkontakt trainiert und gekämpft. Dies ist jedoch nicht für jeden geeignet, da es auch häufiger zu Verletzungen kommen kann, obwohl Karate ein geringes Verletzungsrisiko im Allgemeinen hat.

Das Kyusho-Jitsu wird von vielen Karatekas zusätzlich gelernt. Denn hier werden die Vitalpunkte erklärt und Du lernst, wie Du diese während eines Kampfes einsetzen kannst und somit Deinen Gegner nicht verletzt. Du kannst Dich anhand Deiner Wünsche, Ziele und körperlichen Gegebenheiten orientieren und wirst so die passende Stilrichtung finden. Häufig ist es notwendig, mehrere Stile und Vereine miteinander zu vergleichen, denn im Endeffekt spielt häufig die Atmosphäre des Dojos die entscheidende Rolle.

Viele Dojos bieten mehrere Stunden für ein Schnuppertraining an. Wir würden Dir empfehlen, diese Angebote zu nutzen und bei mehreren Vereinen mitzutrainieren. Du wirst schnell merken, ob Dir dieser Stil liegt und ob Du Dich in dem jeweiligen Verein wohlfühlst. 

Fazit

Karate ist ein Gesundheitssport, der von jedem ausgeübt werden kann. So können auch Kinder, Senioren, Frauen und Personen mit Behinderungen die Kampfkunst lernen. Wichtig ist dabei, dass Du dafür die richtige Stilrichtung findest, die zu Dir passt. Die meisten Menschen sind mit den vier großen Stilrichtungen zufrieden. Jedoch sind auch viele kleinere Stile sehr interessant, besonders diejenigen, die Variationen einbringen.

Bei der großen Anzahl an Stilrichtungen sollte jeder das Richtige für sich finden. Das Wichtigste dabei ist es, offen zu sein und sich auf etwas Neues einzulassen, denn zu Beginn wird sich das Karate-Training etwas ungewohnt anfühlen. Sei geduldig und probiere unterschiedliche Vereine aus!

Weiterführende Links

Wenn Du Karate probieren möchtest, kannst Du auf der Seite des DKV nach Vereinen in Deiner Nähe schauen: Mehr erfahren.

Hier findest Du Informationen zum Kindertraining im Karate.

Einen Überblick über die Mitgliedschaft beim DKV gibt es hier.

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